Esslinger Mittelalter- und Weihnachtsmarkt

Seid gegrüßt holde Damen und edle Herren, es ist mir eine Freude euch hier zu erblicken!

Ist sie denn nun komplett durchgedreht?

Keine Sorge, ich wollte euch nur auf den heutigen Beitrag einstimmen, denn dieses mal gibt es kein Rezept, sondern eine kulturelle und gleichzeitig aber auch kulinarische Empfehlung von mir.

Wart ihr schon mal in Esslingen am Neckar? Diese schöne Stadt, ca. 20 km von Stuttgart entfernt, hat so einiges zu bieten, worauf wir Esslinger sehr stolz sind.
Doch DAS Highlight des Jahres findet immer etwa vier Wochen vor Weihnachten statt. Mitten in der Altstadt werden die Uhren etwa 600 Jahre zurückgedreht und man befindet sich plötzlich im 16. Jahrhundert umgeben von Gauklern, Musikanten und Rittern im mittelalterlichen Esslingen.

Habt ihr Lust mit mir auf diese kleine Entdeckungstour zu gehen? Dann lehnt euch zurück und genießt die kurze Zeitreise!

Unsere Reise beginnt unterhalb der Esslinger Burg, mitten auf dem Marktplatz, zwischen den üblichen Ständen, die es auf einem Weihnachtsmarkt immer wieder gibt. Seht ihr die riesige Weihnachtspyramide aus Holz? Noch ein paar Meter, vorbei an dem mittelalterlichen Tor und schon befindet man sich auf dem Rathausplatz von Esslingen – mitten im Mittelalter.

Hört ihr das?

„Seid willkommen, tretet ein, darf ich euch zu Hilfe sein?“, „Wohin des Weges?“, „Gehabt euch wohl“.

Wundert euch nicht, denn die passend gekleideten Händler und Künstler sprechen hier einen einfach so von der Seite an – in mittelhochdeutsch, versteht sich. Falls ihr auch Lust habt in edlen Gewändern und Ritterkleidung herumzulaufen, habt ihr sogar die Möglichkeit euch hier mit entsprechenden Sachen einzudecken.

Von Schmuck bis hin zu Waffen und Musikinstrumenten, für jeden ist etwas dabei. Auch die Kleinen kommen nicht zu kurz und können mit Holzschwert und Schild gewappnet mit den Eltern das Zwergenland um die Ecke erobern. Hier gibt es Allerlei zu erkunden: Spiele wie Bogenschießen, Axtwerfen, Mäuseroulette und Drachenjagd, ein kleines handgetriebenes Riesenrad, Kerzenziehen und noch vieles mehr. Da mag man auch als Erwachsener wieder ein Kind sein!

Nach all den Eindrücken wird es Zeit für eine kleine Stärkung.

Riecht ihr das?

Lasst euch von den exotischen Düften führen und schaut, welche kulinarischen Spezialitäten der Markt zu bieten hat. Für Liebhaber der orientalischen Küche ist der Stand „Speisen des Orients“ die richtige Anlaufstelle. Hier findet ihr Fladen mit unterschiedlichen Füllungen und Soßen. Lasst euch von den netten Verkäufern beraten wenn ihr euch nicht sicher seid oder bestimmte Zutaten nicht kennt, diese helfen euch bei der richtigen Wahl. Übrigens: Vegetarier können sich hier über mehrere vegetarische Füllungen freuen!

Falls ihr etwas Außergewöhnlicheres probieren wollt, solltet ihr bei der „Hanf Beckerey“ vorbeischauen. Es soll Leute geben, die nur zum Mittelaltermarkt kommen, um eine Hanf-Tasche oder Hanf-Flade zu essen. Die geschälten Hanfsamen bzw. die Hanfblätter verleihen dem Gericht in Kombination mit der Gewürztunke einen besonderen Geschmack. Wer Lust hat kann gleich ein heißes Hanfmet dazu trinken.

Holt euch etwas Leckeres auf dem Markt, sei es nun eine leckere gefüllte Flade, ein Stockbrot oder ein Heurekaner, und seht euch eine der Vorstellungen auf der Bühne vor dem neuen Rathaus an. Es gibt täglich mehrere musikalische Darbietungen, schaut doch einfach auf dem tagesaktuellen Kulturprogramm nach, um keine Show zu verpassen.

Lasst uns noch ein bisschen über den Markt schlendern und dem ein oder anderen Handwerker bei der Arbeit über die Schulter schauen. Wann habt ihr schon die Gelegenheit einen Schnitzer, Glasbläser oder Hufschmied in Aktion zu sehen? Kleiner Tipp: Kommt mit den Leuten ins Gespräch und stellt ruhig Fragen.

Ich könnte zum Beispiel stundenlang Herrn Marschall von der Papiermühle in Nausnitz bei der Arbeit zuschauen. Es fasziniert mich, was man aus einem Stück Holz alles zaubern kann. Schon allein die Löffelauswahl, die er ausgestellt hat finde ich bemerkenswert. Einen einfachen Holzlöffel kann er in Handarbeit schon in etwa zwei Stunden herstellen, für einen Novgorod-Löffel mit Flechtband-Schnitzerei wie auf dem Bild, benötigt er hingegen zwei ganze Tage. Bei ihm findet man aber nicht nur Löffel, sondern Krüge, Holzbretter, Messer und noch vieles mehr.

Gleich um die Ecke findet ihr einen farbenfrohen Stand, an dem Keramikliebhaber auf  ihre Kosten kommen. Bunte Schalen, Teller, Vasen, Brotkästen und andere edle Artikel aus Keramik können hier bestaunt  und erstanden werden. Frau Hieber und Herr Stier stellen in ihrer Keramikwerkstatt die Produkte für „Die Haselklinge“ her und bieten dabei sowohl schlichte Artikel, als auch besondere Unikate mit Prägetechniken an – je nachdem was zu eurer Tafel passt.

Seid ihr schon müde?

Hoffentlich nicht, denn nun geht es auf dem Hafenmarkt und was es da noch alles zu entdecken gibt, dürft ihr auf keinen Fall verpassen! Hier könnt ihr weiteren Handwerkern bei der Arbeit zuschauen oder bei dem ein oder anderen sogar selbst mitmachen. Richtig gelesen, man kann – gegen eine Teilnahmegebühr – vor Ort z.B. einen Hufeisen schmieden, sich in der Hochdrucktechnik versuchen oder Schmuck in der Chain-Maille Technik herstellen. Haltet die Augen offen, dann verpasst ihr keines der Angebote! Beim Passieren der Gassen könnt ihr noch einen Wegzoll in freiwilliger Höhe zahlen oder den Künstlern, die hier immer wieder vorbeilaufen, bei ihren Darbietungen applaudieren.

Falls ihr nicht genug von Tassen und Tellern habt, dann schaut unbedingt bei dem kleinen Stand „Thonwaren“ vorbei. Eine sehr kleine Manufaktur aus Nordrhein-Westfalen bietet hier ihre mit Liebe getöpferten Produkte an. Das ganze Jahr über ist das Paar mit ihrem Wagen auf historischen Märkten unterwegs und als krönender Abschluss steht Esslingen auf ihrer Reiseroute. Nutzt also die Chance, vielleicht ist etwas für euch dabei.

Wie wäre es mit einem kleinen Gläschen Wein? Wer mag kann sich vorher kurz vom Arzt durchchecken lassen, bevor es dann etwas Hexengalle oder einen Liebestrunk gibt. Die Auswahl die ihr in den Weinkutschen von „Beerenweine“ findet ist riesig! Dass einem dabei die Wahl des richtigen Getränkes nicht einfach fällt, könnt ihr euch vorstellen. Vielleicht hilft euch aber außer der Geschmack der Name oder die Farbe des Trunks. Der beliebteste Wein ist die sogenannte „Drachenglut“, bei den Likören dagegen „Waldmeister-Sahne“, der wegen der grünen Farbe inoffiziell auch „Froschkotze“ genannt wird – na dann, Prost 😉

Ist euch kalt?

Dann könnt ihr entweder einen Kakao, Tee oder Kaffee trinken, oder ihr nehmt ein heißes Bad im mittelalterlichen Badehaus, ganz authentisch im Zuber, wo ihr von der sogenannten Baderin gleichzeitig massiert werdet. Hierbei sollten euch die Blicke der anderen Mittelaltermarktsbesucher aber nicht stören.
Anschließend dürftet ihr ganz entspannt sein, um mit mir wieder ins Jahre 2016 zurückreisen zu können.

Hat euch unsere kleine virtuelle Zeitreise gefallen?

Dann solltet ihr uns unbedingt in Esslingen besuchen! Der Esslinger Mittelaltermarkt und Weihnachtsmarkt öffnet noch bis zum 22.12.2016 seine Pforten, täglich von 11-20.30 Uhr bzw. am letzten Tag bis 18 Uhr.
Einen kleinen Tipp habe ich noch für euch: Wenn ihr die Möglichkeit habt, solltet ihr den Markt mitten in der Woche besuchen, denn am Wochenende kommen Besucher aus aller Welt zum Mittelaltermarkt und man muss deshalb mit großen Menschenmassen rechnen. So leer wie auf meinen Bildern ist es auf dem Markt sehr selten bzw. nur an bestimmten Tagen zu bestimmten Uhrzeiten 😉

Gibt es bei euch in der Gegend auch einen besonderen Weihnachtsmarkt? Wart ihr schon mal auf einem Mittelaltermarkt oder sogar auf dem in Esslingen? Erzählt mir eure Geschichten, ich bin gespannt!

Gehabt euch wohl!
Elena

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